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Ida Ott und Carola Schwelien vom Theater Lindenhof.
Foto: pm
10.03.2010, 09:26:08 Uhr


Internationaler Frauentag

Eindrucksvolle Frauengeschichten erlebbar gemacht


ROTTWEIL, 10. März (hf) - Vor ausverkauftem Haus setzten Ida Ott und Carola Schwelien vom Theater Lindenhof am Montag, dem internationalen Frauentag, historische Skandale aus Baden und Württemberg nach dem Buch von Dorothea Keuler in szenischer Inszenierung um.

"Verlorene Töchter", so der Titel, waren sie allesamt , Frauen aus allen Gesellschaftsschichten des 18.und 19.Jahrhunderts, von der adeligen Gräfin von Hochburg über die Schauspielerin Wilhelmine von Hillern, die Meisterdiebin Elisabeth Gaßner zur Kindsmörderin Anna Maria Ohnmaiß.

In der damals herrschenden Gesellschaftsmoral war für ihre "Vergehen" kein Platz , so dass es ein Leben nach dem Skandal kaum noch gegeben hat. Die meisten von ihnen ereilte das Schicksal der Hinrichtung durch das Schwert.

Die "verlorenen Töchter" waren eigenständige und durchaus erfolgreiche Frauen, unbequem, aber eben aus den vorgezeichnteten Bahnen Geworfene. Mit sensiblem Sprachduktus und wenigen die Aussagen unterstreichenden Requisiten brachten die Schauspielerinnen den interessierten Männern und Frauen fünf Frauenschicksale nahe, keine leichte Kost, die unter die Haut ging, aber auch manches befreiende Schmunzeln auslöste. Die Spannung blieb von Anfang an erhalten , bestimmt vom Wechsel des Lesens und der theatralischen Umsetzung.

So die Lebensgeschichte der jungen Anna Maria Ohnmaiß, fast noch ein Kind, die ungewollt von Jonathan Silberberger geschwängert wurde, mit ihrer Schwangerschaft von ihrer Familie, dem Pfarrer, dem ganzen Dorf alleingelassen, ihr Kind zur Welt bringt und tötet.

Nach ihrer Tat wird die Kindsmörderin ins damals berüchtigte Ludwigsburger Zuchthaus überführt, das Urteil lautete lebenslänglich, ihr Ende ist nicht bekannt, denn die meisten Insassen überlebten diese Anstalt nicht wegen der grausamen Haftumstände.

Oder der Sängerin Anna Sutter, "eine der genialsten deutschen Soubretten", wie es in ihrem Nachruf hieß. Am königlichen Hoftheater Stuttgart war sie ein Star und zugleich beliebt: " unser Sutterle". Ihre große Rolle "Carmen" erscheint spiegelbildlich zu ihrer eigenen Geschichte, wie "Carmen lag sie da", meldete der Schwäbische Merkur ihren Tod, ermordet vom Kapellmeister Dr. Aloys Obrist , Kollege und verschmähter Liebhaber, der ohne sie nicht leben konnte und auch nicht wollte, dass sie ohne ihn weiterlebte, weshalb er sie und sich selbst erschoss, um wenigstens im Tod mit ihr vereint zu sein.

Der Skandal, ein Doppelmord , traf in diesem Fall die Frau in ihrer Glanzrolle in der Oper von Georges Bizet. "Anna sei wie eine Fürstin zu Grabe getragen worden", ganz Stuttgart trauerte um seinen Star.

Die Verfasserin Dorothea Keuler hat in ihrem Buch viele weitere Frauenschicksale recherchiert und zusammengetragen, von denen an diesem von Frauen helfen Frauen mit der PRoFI und der BI Kapuziner veranstalteten Theaterabend nur einige erlebbar gemacht werden konnten.





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